|

Lisa-Mareike Pohl
|
Es ist immer wieder erstaunlich zu sehen aus welchem Holz
unsere Schwimmerinnen und Schwimmer geschnitzt sind. Leistungsbereitschaft
und Pflichtbewußtsein stehen bei den Leistungsträgern
unseres Landesverbandes ganz oben auf der Liste ihrer positiven
Charaktereigenschaften. Das trifft auch auf Lisa-Mareike
Pohl zu, dessen Sportlerportrait wir hier veröffentlichen.
|
Zu unserem Gespräch hatten wir uns mit der 15-jährigen
im Schwimmleistungszentrum Wuppertal verabredet. Pünktlich
stand Lisa auf der Matte, obwohl sie wegen einer starken Erkältung
eigentlich besser zu Hause geblieben wäre.
Ihre Erkrankung war für die am 13. Dezember 1992 in Augsburg
geborene Schwimmerin der SG Bayer Wuppertal/Uerdingen/Dormagen
kein Grund, das Interview abzusagen. Genauso hatte sich die Schülerin
des Wuppertaler Carl-Fuhlrott-Gymnasiums, wo sie die neunte Klasse
besucht, Ende 2007 beim Endkampf der ersten Bundesliga bei der
DMS verhalten, wo sie sich trotz Erkrankung in den Dienst ihrer
Mannschaft stellte und maßgeblich am vierten Platz der SG
Bayer in der Meisterrunde beteiligt war.
|
Bevor Lisa-Mareike Pohl laufen lernte, war ihr schon dass
nasse Element vertraut. "Angefangen habe ich in Augsburg
bereits im Alter von drei Monaten mit Babyschwimmen. So
richtig ging es aber erst mit elf Jahren bei der SSF Bonn
los", berichtet Lisa (auf die Mareike verzichten wir
im weiteren Verlauf dieses Portraits). Im Alter von zwei
Jahren verließ Familie Pohl aus beruflichen Gründen
des Vaters Augsburg und zog ins Rheinland, wo Lisa zunächst
beim VFB Erftstadt anheuerte, wo sie ihr schwimmerisches
Rüstzeug erwarb.
|

Lisa-Mareike Pohl
|
Der Beruf des Vaters, der in seiner Jugend geboxt hat, war anschließend
auch Grund für den Wechsel zu den SSF Bonn und auch für
Lisas letzten Vereinswechsel nach Wuppertal zur SG Bayer, wo sie
seit zwei Jahren bei Trainer Henning Lambertz ihre Bahnen zieht.
Hier fühlt sich inzwischen rundum wohl. "Die SG Bayer
ist ein starker Verein und wir sind eine tolle Truppe. Außerdem
habe ich unter anderem mit Daniela Samulski und Sarah Poewe auch
starke Trainingspartner, die mich zusätzlich motivieren",
sagt Lisa.
Dass ihr jetziger Trainer Henning Lambertz im Herbst Bayer verläßt
und zur SG Essen wechselt, bedauert Lisa zwar sehr, ist für
sie aber kein Grund der SG Bayer Wuppertal/Uerdingen/Dormagen
ebenfalls den Rücken zu kehren. "Es ist schade, dass
Henning geht, ich bleibe aber erstmal hier, auch deswegen, weil
ich innerhalb eines Jahres zweimal die Schule gewechselt habe",
lautet die Aussage von Lisa Pohl.
Lisa hat noch drei jüngere Geschwister, zwei Brüder
im Alter von zwölf und zehn Jahren, sowie eine vierjährige
Schwester. Schwimmsport betreibt hiervon allerdings nur Lisa.
Ein Bruder spielt Basketball, der andere reitet, während
Nesthäkchen Chantal mit Sport noch nichts am Hut hat. Wenn
sie nicht schwimmen würde, könnte sich Lisa vorstellen
zu surfen oder Tennis zu spielen, Sportarten, die sie auch gerne
im Urlaub - am liebsten in Spanien - betreibt.
Lisa Pohls Spezialdisziplinen im Schwimmen sind die 400m Lagen
und die 800m Freistil. Aber auch die 200m Lagen und die 200m Schmetterling
gehören zu ihren Vorlieben. Ihre ersten Erfolge auf NRW-Ebene
feierte sie 2004 in den Farben der SSF Bonn und zunächst
noch über 200m Schmetterling. Mittlerweile kann Lisa zahlreiche
NRW-Jahrgangstitel ihr Eigen nennen und 2007 glänzte sie
bei NRW-Meisterschaften auch in der offenen Klasse mit zwei Silbermedaillen
bei den Kurzbahnmeisterschaften über 400m Lagen und 200m
Schmetterling.
|

Lisa-Mareike Pohl (mitte)
|
Bei DSV-Jahrgangsmeisterschaften gewann Lisa Pohl bisher
dreimal Bronze und zwar 2005 und 2006 über 200m Schmetterling
und 2007 über 400m Lagen. Sehr gefreut hat sie sich
aber auch über ihren vierten Platz bei den deutschen
Jahrgangsmeisterschaften 2007 in Dortmund über 800m
Freistil, wo sie neue persönliche Bestzeit von 9:09,76
Minuten schwamm.
|
Als ihr bisher schönstes sportliches Erlebnis bezeichnet
sie aber den Gewinn der Bronzemedaille mit der C-Jugend der SSF
Bonn im Jahr 2002 beim Bundesfinale der DMS-J in Nürnberg.
"Da war ich ganz stolz drauf", sagt Lisa und
bekommt auch nach so langer Zeit noch ganz glänzende Augen.
Für die nahe Zukunft hat sich Lisa, die als ihr sportliches
Vorbild die Französin Laure Manadou wegen ihrer Vielseitigkeit
und Konditionsstärke nennt, vorgenommen, ihre Kurzbahn-Bestzeiten
auf die lange Bahn zu übertragen.
Gerne möchte sie auch bei den Deutschen Jahrgangsmeisterschaften
2008 wieder auf dem Siegertreppchen stehen und mit einem Auge
schielt sie auch auf eine JEM-Teilnahme. Gerne würde sie
in naher Zukunft auch einmal bei Deutschen Meisterschaften in
einem Finale der offenen Klasse stehen. Damit diese Wünsche
keine Träume bleiben, absolviert Lisa acht bis neun Trainingseinheiten
pro Woche, die, wenn auch Frühtraining auf dem Programm steht,
viereinhalb Stunden täglich in Anspruch nehmen.
Langfristige sportliche Ziele hat Lisa Pohl noch nicht. In schulischer
und beruflicher Hinsicht wird sie da schon konkreter. "In
der elften Klasse möchte ich gerne als Austauschschülerin
nach Australien oder in die USA. Nach dem Abitur könnte ich
mir vorstellen zur Polizei zu gehen. Dafür interessiere ich
mich schon sehr lange", sagt Lisa, die bei ihren Mitmenschen
in erster Linie Ehrlichkeit, Hilfsbereitschaft und Humor schätzt.
Arroganz hingegen gehört zu den Eigenschaften, die sie absolut
nicht ausstehen kann.
In ihrer Freizeit spielt Lisa Pohl gerne Tennis, trifft sich
mit Freunden und passt auch gerne auf ihre kleine Schwester auf,
mit der sie man sie schon einmal auf Spielplätzen antrifft.
Zu ihren Lieblingsspeisen zählt sie Nudeln und Pizza, besonders
schätzt sie jedoch die thailändische Küche.
Dass sie ihren Schwimmsport mit allem damit verbundenem Aufwand
betreiben kann, schreibt Lisa Pohl in erster Linie ihren Eltern
zu. "Dass mich meine Eltern immer und überall unterstützen
finde ich ganz toll, dafür will ich mich an dieser Stelle
ganz herzlich bedanken", diktierte uns Lisa mit einem
großen Ausrufungszeichen in den Block.
Dass Schwimmen für sie im Leben aber nicht an erster Stelle
steht, beweist die Tatsache, dass sie den Start mit der NRW-Auswahl
im Januar in Luxemburg und ein Trainingslager mit der SG Bayer
in Florida im Februar dieses Jahres aus schulischen Gründen
absagte. "Es standen in der Schule einige Arbeiten an,
dass war mir wichtiger", sagt Lisa in voller Überzeugung,
dass sie hiermit die richtigen Entscheidungen getroffen hat. Sie
sind eben aus einem besonderen Holze geschnitzt, die Schwimmerinnen
und Schwimmer aus dem SV NRW.
Peter Kuhne